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Kollaboration im Team. Wie wir das kostenlose Tool Trello für die Erstellung digitaler Lerninhalte für die Jurafuchs App nutzen

Christian Leupold-Wendling, LL.M. (Cambridge) ist Mit-Gründer und Geschäftsführer von Jurafuchs, einer Jura Lern-App für Studierende und Referendar:innen.

Juristische Texte werden häufig in Teams erstellt. Wir haben oft in der Großkanzlei gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen an Schriftsätzen und anderen Dokumenten gearbeitet. Und wir arbeiten auch bei Jurafuchs in Redaktions-Teams. Dabei stellen sich eine Reihe von Fragen:

1. Wie kann ich sicherstellen, dass jeweils nur einer am Dokument arbeitet und alle Versionen verständlich gespeichert werden?

2. Häufig gibt es zudem Diskussionsbedarf zu einzelnen Passagen. In welchem Medium ist eine Debatte nachvollziehbar dokumentiert und sichergestellt, dass einzelne Teammitglieder vom Diskussionsverlauf Kenntnis erlangen?

3. Wie gelingt eine übersichtliche Darstellung einer Vielzahl von Inhalten, die auch neuen Teammitgliedern einen schnellen Zugang ermöglicht, und wie lassen sich bestehende Inhalte unkompliziert umstrukturieren?

4. Wie wollen wir unterstützende Dateien (Grafiken, Charts, PDFs, Links usw.) sammeln, damit alle darauf zugreifen können, die sie benötigen?

5. Bei Jurafuchs kommt hinzu: Wie können wir die Texte in unsere Datenbank synchronisieren, wenn sie fertig sind?

In wahrscheinlich den meisten Fällen werden juristische Autoren auf Microsoft Word zurückgreifen. Der Austausch der verschiedenen Versionen erfolgt dann per E-Mail oder über ein Dateiverwaltungs-System. Es gibt aber Alternativen. Eine davon wollen wir heute vorstellen: Das kostenlose Tool Trello.

Trello ist ein sog. Kanban-Board: Es besteht aus Listen und interaktiven Karten, die sich einfach hin- und herschieben und damit umsortieren lassen. Kanban-Boards werden häufig genutzt, um Arbeitspakete in der Software-Entwicklung zu organisieren. Auch in der Jurafuchs Produktentwicklung verwenden wir Trello. Trello wird zudem häufig für komplexes Projektmanagement in Teams eingesetzt.


Ausschnitt aus der HBO-Serie „Silicon Valley“: Scrum?

 

Trello hat eine Schnittstelle („Trello‘s Rest-API“), über die sich alle Informationen von den Trello-Boards auslesen lassen. Wir haben die Schnittstelle für einen 1-Click-Sync zu unserer Datenbank verwendet. Auf Knopfdruck wird jede in Trello freigegebene Aufgabe in unsere Datenbank kopiert.

So erstellen wird die Aufgaben in Trello:

Jede Karte ist eine Aufgabe.

Wir verwenden Tags in verschiedenen Farben, um den Zustand einer Aufgabe zu kennzeichnen:

„cleared by [Kürzel]“: Von einem wissenschaftlichen Mitarbeiter fertiggestellter Erstentwurf einer Aufgabe
bereit zum Illustrieren“: signalisiert den Illustratoren, dass sie loslegen können.
Release“ bedeutet, dass die Aufgabe veröffentlicht werden kann.
Online“ ist der Zustand, wenn die Aufgabe live in unserer Datenbank hinterlegt ist und damit in der App sichtbar ist.

Die Aufgabe selbst geben wir in dem Feld „Beschreibung“ ein.

Damit unser System beim Synchronisieren erkennt, um welche Art von Aufgabe (Fall, Paare, Reihenfolge, Multiple Choice etc.) es sich handelt, und die einzelnen Elemente richtig zuordnet, strukturieren wir den Text mit ein paar selbst definierten Codierungen.

**Sachverhalt** leitet den Sachverhalt ein.
**Antwort 1**, **Antwort 2** usw. markieren die einzelnen von unseren Nutzern zu bewertenden Aussagen. Ein (+) am Ende kennzeichnet die Aussage als wahr, ein (-) als unwahr.

 

**Hinweis 1**, **Hinweis 2** usw. markieren die erläuternden Hinweise zu den einzelnen Aussagen.

 

Für Rechtsprechungs-Nachweise, Fundstellen etc. haben wir eigene Felder angelegt, die auf jeder Karte erscheinen.

Der größte Teil der Kommunikation im Team findet objektorientiert, d.h. über die Kommentarfunktion zu den einzelnen Aufgaben, statt. Slack, E-Mail und Telefon/Video nutzen wir in der Regel nur für übergreifende Themen.

Zudem experimentieren wird derzeit mit sog. „Powerups“. Das sind eine Art Plugins, die Trello-Karten mächtiger machen. Es gibt kaum eine Integration oder Funktion, die es nicht gibt: Google Mail, Calendar, Maps, Slack Integrationen, Smart Fields, Twitter, Zendesk usw. usw. Es ist sogar möglich, eigene Powerups zu entwickeln. Auf diese Weise lässt sich der Workflow auf Trello in Zukunft noch weiter optimieren und beschleunigen.

 

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